Der Abend ausgebucht, die Warteliste lang: Am Mittwoch fand der diesjährige Parlamentarische Abend der LandesHochschulKonferenz Niedersachsen (LHK) in Hannover statt. Neben den Präsidentinnen und Präsidenten der niedersächsischen Hochschulen, VertreterInnen aus Wirtschaft, Verbänden und Gesellschaft und Abgeordneten aller im Niedersächsischen Landtag vertretenden Fraktionen zählte auch der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs zu den Gästen des Abends.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Wissenschaft im Zeitalter der KI souverän, verantwortungsvoll und innovationsstark bleiben kann. Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags Jens Nacke (CDU) eröffnete den Abend und dankte den Hochschulen ausdrücklich für die erneute Gelegenheit zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik. Besonders begrüßte er den KI-Experten Professor Antonio Krüger, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), der mit einem Impulsvortrag den inhaltlichen Auftakt gestaltete. Zur Einordnung der aktuellen Entwicklungen zog Herr Nacke einen historischen Vergleich zur Medienentwicklung. Bereits der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan habe in den 1960er-Jahren die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Medien vorhergesehen. Seine Vision eines „globalen Dorfes“, in dem Menschen über geografische und kulturelle Grenzen hinweg kommunizieren, sei durch das Internet Realität. Gleichzeitig habe McLuhan auch auf mögliche gesellschaftliche Spannungen hingewiesen, wenn soziale Bindungen zunehmend über digitale Netzwerke statt im unmittelbaren Umfeld entstehen. Vor diesem Hintergrund stelle KI die Gesellschaft erneut vor grundlegende Fragen, etwa zum Schutz geistigen Eigentums oder zum verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten.
Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs (SPD) betonte in seiner Begrüßung die zentrale Rolle der Wissenschaft in diesem Transformationsprozess. Zwar sei auch eine Reform des Niedersächsischen Hochschulgesetzes notwendig, um Prozesse zu beschleunigen und den Hochschulen mehr Freiheit zu ermöglichen. Im Mittelpunkt des Abends stehe jedoch die übergeordnete Frage der wissenschaftlichen Souveränität im Umgang mit KI. KI könne den Erkenntnisprozess erheblich unterstützen, berge aber auch Risiken durch mögliche Verzerrungen oder Fehlinterpretationen. Entscheidend seien daher Vertrauen, Überprüfbarkeit und Qualitätssicherung. Für eine verantwortungsvolle Nutzung von KI formulierte der Minister drei Leitprinzipien: Transparenz, Reproduzierbarkeit und Verantwortung – letztere liege letztlich immer beim Menschen. Übermäßige Regulierung sei dabei nicht zielführend. Vielmehr brauche es Freiräume für Forschung und Innovation sowie eine Kultur der Selbstverantwortung. Initiativen wie die „Hochschule.digital Niedersachsen“, virtuelle Forschungslabore und Förderprogramme wie „zukunft.niedersachsen“ und die Unterstützung der VolkswagenStiftung hätten bereits wichtige Grundlagen geschaffen und eröffneten große Potenziale für Wissenschaft und Gesellschaft.
In ihrer Ansprache betonte die LHK-Vorsitzende Susanne Menzel-Riedl, dass der Parlamentarische Abend inzwischen ein etabliertes Format für den Dialog zwischen Hochschulen und Politik sei. Nach den Themen Hochschulautonomie (2023), Hochschulbau (2024) sowie Qualität in Studium und Lehre (2025) setze die diesjährige Veranstaltung mit dem Schwerpunkt „KI in der Wissenschaft“ eine konsequente Fortführung dieser Reihe. Die niedersächsischen Hochschulen seien intensiv mit dem Thema KI befasst und in vielen Bereichen „vor der Welle“ in Bezug auf Forschung, Lehre und Innovation. Gleichzeitig rief sie dazu auf, wissenschaftspolitische Debatten sachlich zu führen. Gerade in einer sensiblen Phase – aktuell im Kontext der Exzellenzstrategie des Bundes und dem Generationswechsel an zahlreichen Hochschulen – sei es wichtig, gemeinsam an einem konstruktiven Dialog zu arbeiten und die guten Bedingungen für Forschung und Lehre in Niedersachsen herauszustellen. Nicht jeder Kontext eigne sich für einen parlamentarischen Schlagabtausch; die Hochschulen bäten in diesem Zusammenhang um Mäßigung in der Debatte. Am Ende appellierte Sie eindringlich: „Seien Sie unsere Fans! Die Niedersächsischen Hochschulen sind mittendrin, forschungsstark und hoch motiviert.“
Der Impulsvortrag von Professor Antonio Krüger bot Einblicke in aktuelle Entwicklungen der KI-Forschung, insbesondere im Umfeld des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Niedersachsen - „das KI-Land“ - biete ein hervorragendes Umfeld für KI-Forschung, betonte Krüger, nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Gleichzeitig unterstrich er die ethische Verantwortung beim Einsatz der Technologien sowie den Anspruch, KI zum gesellschaftlichen Nutzen einzusetzen.
Den Abschluss des offiziellen Veranstaltungsteils bildeten ausgewählte und humorvolle Kurz-Präsentationen von KI-Highlights aus den niedersächsischen Hochschulen, die eigens von den anwesenden, renommierten Wissenschaftlerinnen vorgestellt wurden. Die jeweiligen Projekte wurden anschließend im Foyer in einer Ausstellung vertieft diskutiert und boten zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Gästen bis tief in die Abendstunden.
In ihrem Schlusswort lud die LHK-Vorsitzende Menzel-Riedl die anwesenden Abgeordneten ein, den Dialog mit den Hochschulen fortzusetzen: „Kommen Sie zu uns – bitte auch als Nicht-Expertinnen und Nicht-Experten. Gemeinsam können wir die Herausforderungen der Zukunft gestalten.“
Mit dem Parlamentarischen Abend unterstrich die Landeshochschulkonferenz erneut die zentrale Rolle der Hochschulen als Impulsgeber für Innovation, gesellschaftliche Verantwortung und den Dialog über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz.

