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Transferstrategie der niedersächsischen Hochschulen

Neben Forschung und Lehre bildet der Ideen-, Wissens- und Technologietransfer (auch Third Mission) eine neue Kernaufgabe der Hochschulen. Die niedersächsischen Hochschulen stellen sich als Teil der Gesellschaft dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und vertreten dabei einen umfassenden Transferbegriff, der Transferprozesse als aktives Zusammenführen und gewinnbringende wechselseitige Interaktion zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verbänden, Verwaltung und Kultur definiert (Wissenschaftsrat[1]). Diesem breiten Verständnis von Transfer entsprechend liegt der Fokus gleichermaßen auf dem Transfer von Wissen, von Erkenntnissen und Technologien. Die Hochschulen sollen dabei als verantwortungsvolle, verlässliche und kompetente Partner in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Neben dem Transfer aus Forschung und Bildung müssen sich die Querschnittsthemen der Hochschulen Diversität, Digitalisierung und Internationalisierung sowie das Ziel der Nachhaltigkeit (Sustainable Development Goals) in den Transferaktivitäten wiederfinden.

Die Transferstrategie der Hochschulen lässt sich in drei Handlungsfeldern beschreiben: Wissens­transfer und Interaktion in der Gesellschaft, Erkenntnis- und Technologietransfer und Wissenschaftskommunikation. Die Hochschulen fördern gezielt die vielfältigen Transferaktivitäten ihrer Mitglieder und Einrichtungen in diesen Handlungsfeldern und greifen entsprechend dem jeweiligen Hochschultyp Transferbedarfe aus ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld auf. Fortbildungsangebote zum Wissens- und Technologietransfer werden als integraler Bestandteil von Forschung und Lehre unterstützt.

Mit dem Ideen-, Wissens- und Technologietransfer übernehmen die Hochschulen eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und stehen im ständigen Austausch mit der Gesellschaft. Ziel der Transferaktivitäten ist die Information der Öffentlichkeit über Forschungsergebnisse und die Nutzbarmachung von Erkenntnissen aus der Wissenschaft für die Gesellschaft. Als lernende Organisation nehmen die Hochschulen auch Fragen und Themen aus anderen Teilen der Gesellschaft auf. Hochschulen sind wichtig in der Mitgestaltung des regionalen Innovationssystems und für die Erhöhung der nationalen und internationalen Strahl- und Anziehungskraft der Standorte.

1)   Wissenstransfer und Interaktion in der Gesellschaft

Ziel der Interaktion in der Gesellschaft ist die Vernetzung der Hochschulen mit der Bürgergesellschaft zum Zwecke der Weiterentwicklung sozialer, politischer, ethischer, kultureller und demokratischer Rahmenbedingungen.

Im Kern dieser Aktivitäten steht der Bildungsauftrag der Hochschulen, der in der Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen wahrgenommen wird. Insbesondere die Lehrerbildung an den niedersächsischen Hochschulen ist Grundlage der Bildung zukünftiger Generationen und verantwortet damit die gesamtheitliche schulische Bildung.

Darüber hinaus bieten die niedersächsischen Hochschulen durch Kinderunis und Schülerlabore (Beispiele siehe Anhang) sowie Kooperationen mit Partnerschulen vielfältige Möglichkeiten der Interaktion innerhalb des Bildungssystems. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer sind wichtige Multiplikatoren in unserer Gesellschaft. Im Sinne des lebenslangen Lernens engagieren sich die niedersächsischen Hochschulen zudem im Bereich der Weiterbildung und mit Angeboten in Seniorenuniversitäten.

Curricular verankerte Pflichtpraktika ermöglichen den Austausch Studierender mit der Wirtschaft und erlauben Wissenstransfer und Fachkräftequalifizierung. Hochschulen beteiligen sich auch aktiv an Konzepten zukunftsfähiger Fachkräfteweiterbildung. Service Learning-Angebote bieten Studierenden aus den Gesellschaftswissenschaften curricular anrechenbare Erfahrung in vielen Bereichen der Zivilgesellschaft, in Verwaltung, Kultur und Verbänden.

Die Absolventinnen und Absolventen der niedersächsischen Hochschulen gehen als Fachkräfte in alle gesellschaftlichen Bereiche und fördern als Alumni die Interaktion der Gesellschaft mit den Hochschulen. Eine Intensivierung der Alumni Kontakte fördert dementsprechend auch den Transfer. 

Eine weitere Ebene der Interaktion mit der Gesellschaft ist der Kulturaustausch insbesondere durch künstlerischen Hochschulen. Kulturveranstaltungen der Hochschulen in höchster Qualität erreichen sehr viele Menschen (Beispiele siehe Anhang).

Viele niedersächsische Hochschulen leisten darüber hinaus wissenschaftliche Beratung der Politik. Dies geschieht durch die Mitgliedschaft in politischen Gremien, Beteiligung an Evaluationen und Begutachtungsprozessen und das Einbringen fachlicher Expertise in Gesetzgebungsverfahren.

2)   Erkenntnis- und Technologietransfer

Viele niedersächsische Hochschulen haben Transferzentren und Transfer- oder Kooperationsplattformen eingerichtet, um das Innovationsmanagement an den Hochschulen strukturell zu verankern und weiterzuentwickeln. Durch ein professionelles Ideenmanagement wird frühzeitig das Innovationspotential in der Forschung erkannt und durch Angebote zur Unterstützung von Ausgründungen (Beispiele siehe Anhang) gefördert. Dazu kommen Transferpartner, die für den langfristigen Erfolg der Ausgründungen notwendig sind.

Die Transparenz in der Forschung ist, auch als Grundlage für ein Innovations-Scouting, in diesem Bereich ebenso wie bei Beratungsleistungen für die Wirtschaft von besonderer Relevanz und wird von den Hochschulen verantwortungsvoll sichergestellt.

Kooperationen in Forschungsprojekten, aber auch in der Lehre, mit Partnern aus der Industrie sind oft wichtige Voraussetzungen für den Technologietransfer und spielen insbesondere bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und den Technischen Universitäten eine wichtige Rolle.

Die Hochschulen haben die Notwendigkeit einer Verwertungsstrategie erkannt und sich strukturell dem Thema Patente und Schutzrechte angenommen (Beispiele siehe Anhang).

Der Bereich des Technologietransfers ist wie der Wissenstransfer auf Wechselseitigkeit angelegt, so dass Impulse und Bedarfe der Gesellschaft und Wirtschaft in den Hochschulen aufgegriffen werden.

3)   Wissenschaftskommunikation

Die Hochschulen tragen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung für das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft und in die Institution Hochschule. Die Aktivitäten und die Kompetenzen der Hochschulen müssen daher für Externe transparent, verständlich und nutzbar sein. Vor diesem Hintergrund ist die geeignete Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse eine wichtige Transferaktivität.

Kommunikation ist heute überwiegend digital und stellt so eine neue Herausforderung dar. Die neuen digitalen wissenschaftlichen Formate (open access und open science) und die in der Gesellschaft angewandten ‚neuen‘ Medien müssen ‚kompatibel‘ gemacht werden. Die Digitalisierung in der Wissenschaft und professionelles Datenmanagement mit der richtigen Interpretation der Daten sind Voraussetzung für eine gezielte Kommunikation in die Gesellschaft. Die Kommunikationsformate müssen den neuen Entwicklungen immer wieder angepasst werden.

Auf struktureller Ebene findet der Wissenstransfer durch Wissenschaftskommunikation an den niedersächsischen Hochschulen vielerorts in Wissenshäusern oder Museen statt (Beispiele siehe Anhang).

Daneben stehen klassische analoge Formate der Wissenschaftskommunikation wie Ringvorlesungen, Messebeteiligungen und Ausstellungen sowie neue interaktive Veranstaltungsformate, die durch die niedersächsischen Hochschulen vielfältig zum Wissenstransfer genutzt werden.

 

Handlungsbedarfe zur Weiterentwicklung der Transferaktivitäten niedersächsischer Hochschulen:

  • Die Transferaktivitäten der Hochschulen sind quantitativ und qualitativ weiterzuentwickeln.
  • Eine Weiterentwicklung ist jedoch nur bei entsprechender Finanzierung und durch geeignete strukturelle Rahmenbedingungen möglich.
  • Zur Beurteilung der Transferaktivitäten müssen neben quantitativen unbedingt auch qualitative Transferindikatoren entwickelt werden.
  • Für ein qualitativ hochwertiges Weiterbildungsangebot im Sinne des Wissenstransfers sollte es eine kapazitäre Berücksichtigung geben und es müssten geeignete flexible Finanzierungsmodelle rechtlich geprüft werden.

Beispiele für Transferaktivitäten aus den Hochschulen:

  1. Schülerlabore und Kinder- sowie Seniorenuniversität
  2. Kulturveranstaltungen
  3. Ausgründungen, Innovations- und Transferplattformen
  4. Verwertungsstrategien
  5. Wissenshäuser und Wissenschaftskommunikation

  - Verabschiedet von der LHK in ihrer Plenarsitzung am 09.09.2019 -

 

 

 

Anhang zur Transferstrategie der LHK Niedersachsen

Beispiele für aktuelle Aktivitäten im Bereich Transfer an den niedersächsischen Hochschulen

 

1.            Schülerlabore und Kinder- sowie Seniorenuniversität

  • Flächendeckendes Angebot von Schülerlaboren, Lernwerkstätten und fachspezifischen Schulunterrichtsbeiträgen für verschiedene Fachbereiche und Klassenstufen
  • Flächendeckendes Angebot der Kinderuniversität bzw. Wissenschaft im Kindergarten/in der Grundschule
  • Vielfältige Unterstützung oder eigenes Angebot von Schülerwettbewerben
  • Vielfältiges Engagement im Bereich Lehrerfortbildungen
  • Flächendeckendes Angebot für Gasthörer_innen im Rahmen einer Seniorenuniversität
  • Hochschulübergreifende Einrichtung:

2.            Kulturveranstaltungen

  • Zahlreiche Kooperationen mit öffentlichen und privaten Kultureinrichtungen im Bereich Musik, Kunst, Literatur, Theater
  • Regelmäßige Konzerte der Hochschulorchester und Hochschulchöre
  • Insbesondere an den Künstlerischen Hochschulen zahlreiche Veranstaltungsangebote von Studierenden und Lehrenden
  • Diverse Hochschultheater
  • Öffnung der Sammlungen der Hochschulen für die Öffentlichkeit, Ausstellungsangebote
  • i.d.R. von Studierenden organisiertes Hochschulkino

3.            Ausgründungen, Innovations- und Transferplattformen

  • Stabstellen oder vergleichbare Verwaltungseinheiten zur wissenschaftsnahen Gründungsförderung und -beratung, für den Wissenstransfer sowie zur Identifikation von Innovationspotenzialen an einem Großteil der niedersächsischen Hochschulen
  • Gründungswettbewerbe zur Förderung von (studentischen) Gründungsideen
  • Flächendeckendes Angebot an Workshops und Schulungen zum Thema Gründung und zum Wissens- und Technologietransfer
  • Vielfältiges Angebot an Inkubatoren und Accelerators zur Förderung von Gründung und Innovation in Niedersachsen
  • Beteiligung an Messen (Hannover Messe)
  • Hochschulübergreifende Einrichtung:

4.            Verwertungsstrategien

  • Verantwortlich sind i.d.R. Stabstellen oder vergleichbare Verwaltungseinheiten (s. unter 3.)
  • Verwertungsstrategien für Patente, Schutzrechte und Ausgründungen sind in den meisten niedersächsischen Hochschulen in der Transferstrategie verankert.
  • Veröffentlichung von Forschungsarbeiten als Teil der Verwertungsstrategien 

5.            Wissenshäuser und Wissenschaftskommunikation

  • Etablierte Einrichtungen der Wissenschaftskommunikation: Ringvorlesungen, Beteiligung an „Nächten der Wissenschaft“
  • Kommunikation online (Homepage, soziale Medien, Newsletter, Blogs) und Print (Unizeitungen, Gastbeiträge in regionalen Magazinen, Einzelveröffentlichungen)
  • Science Slams, Wissenschafts-Talks, öffentliche Vorträge, Podiumsdiskussionen, Tagungen auch für ein breiteres Publikum
  • Messebeteiligungen als Öffentlichkeitsarbeit (IdeenExpo)
  • Tag der offenen Tür/des offenen Labors/des offenen Hofes
  • Öffentliche Sammlungen der Hochschulen, Museen, Wissenshäuser an mehreren Standorten

 


[1] Vgl. „Wissens- und Technologietransfer als Gegenstand institutioneller Strategien. Positionspapier“. Drs. 5665-15, hrsg. v. Wissenschaftsrat (2016) und „Empfehlungen zu regionalen Kooperationen wissenschaftlicher Einrichtungen“. Drs. 6824-18, hrsg. v. Wissenschaftsrat (2018).